Jahr der Barmherzigkeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: NN   
Sonntag, 17. Januar 2016 um 20:57 Uhr

Zum Jahr der Barmherzigkeit

Das lateinische Wort "misericordia" (Barmherzigkeit) bedeutet: Ein empfind-sames Herz für das Elend haben. Das geht weit über ein Gefühl des Mitleids hinaus. Eine barmherzige Person lässt die Not, Angst, das Unverstandensein des anderen an sich heran. Sie stellt eine intensive Verbindung von Person-mitte zu Personmitte her. Barmherzigkeit will handeln, drängt zum Einsatz für andere, um sie aus ihrem Elend zu befreien.

So wird verständlich, wenn schon im Alten Testament die gnädige Zuwendung Gottes zu seinem Volk als eine entscheidende Wesenseigenschaft eingestuft wird. Das Neue Testament zeigt uns auf, dass die Menschen in Jesus Christus von Gott angenommen und geliebt sind. Aus Erbarmen zu uns wird er Mensch, damit alle, die an ihn glauben, Heimat finden in ihm.

Von Gott empfangene Barmherzigkeit setzt Antriebskräfte in der glaubenden Person frei, die alle Gefühlskälte und Gleichgültigkeit überwinden. Göttliche wie menschliche Barmherzigkeit ist nicht irgendeine bloße Idee, sondern eine Weise des Lebens, die auf eine positive Veränderung anderer hinzielt. Wer barmherzig ist, handelt nach dem Vorbild Jesu. Er darf das Heilshandeln Gottes weitertragen. Dazu ist jede einzelne Person wie die Kirche als Volk Gottes aufgerufen. So wird auch dem von Nöten unterschiedlichster Art gequälten Menschen unserer Tage ein Lebensraum eröffnet, der wieder aufatmen und hoffnungsvoll in die Zukunft gehen lässt. In einer "Zivilisation der Liebe" (Joh. Paul II.) ermöglicht die Barmherzigkeit, dass sich der Mensch entsprechend seiner Einmaligkeit und Würde zu entfalten vermag, wie es der Schöpfer und Erlöser gedacht hat.

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt Jesus auf, dass Glaube in Werken der Liebe fruchtbar wird. Im Mittelalter haben Christen die Not des Nächsten behutsam aufzuspüren und in konkreten Werken der Barmherzigkeit anzugehen vermocht. Dabei hatten sie den ganzen Menschen in seinem leiblichen und geistigen Befinden im Auge: die Speise für die Hungrigen, das Trinken für die Durstigen, die Beherbergung von Fremden, Kleidung für Mittellose, die Krankenpflege, das Eintreten für unschuldig Gefangene und das Bestatten der Toten. Daneben nahmen sich Christen Zeit, um Unwissende zu lehren, Schwankenden recht zu raten, Traurige zu trösten, Fehlende zurecht-zuweisen, Beleidigern zu verzeihen, Lästige zu ertragen und für Lebende und Verstorbene zu beten. (7 Gaben der leiblichen und geistlichen Barmherzigkeit). Mit der Zahl "Sieben" sollte das barmherzige Handeln nicht eingegrenzt werden, sondern es sollte auf die umfassende Hilfsbedürftigkeit des Menschen und auf die gesamte Bandbreite der Hilfsmöglichkeiten hingewiesen werden.

Die verschiedenen Notsituationen haben sich trotz aller technischen und humanitären Errungenschaften nicht verändert. Die Kirche und in ihr zahl-reiche einzelne Christen zeigen auch heute ein gutes Herz und bieten Phantasie und Einsatzbereitschaft für Menschen in leiblichen und seelischen Nöten auf, gemäß dem Wort Jesu: "Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist" (Lk 6,36)!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 17. Januar 2016 um 20:59 Uhr