Abendgebet eines erfüllten Lebens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: NN   
Freitag, 27. Januar 2017 um 11:31 Uhr

Das Abendgebet eines erfüllten Lebens (Lk 2, 22-40)

Es gehört zum Menschen, dass er sich ein Ziel setzt. Je höher man sich ein Ziel steckt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man es nicht erreicht. Immer aber sind viele Schritte notwendig, um an ein Ziel zu gelangen. Dies wusste auch Simeon. Er wollte zu seinen Lebzeiten den Messias sehen, deshalb ging er täglich in den Tempel, um diese Gnade zu erflehen.

Wir erfahren im Evangelium einiges über die Person Simeons und über die Vorgeschichte seiner Begegnung mit dem Herrn.

Er war gerecht“. sagt der Evangelist von ihm; das heißt: er entsprach Gott und lebte in einem ständigen inneren Hingekehrtsein zu ihm. Seine Gedanken waren an Gottes Gedanken ausgerichtet; sein Tun war nicht regiert von seinem eigenen Willen, sondern von dem Willen Gottes.

Wenn er dann noch „gottesfürchtig“ genannt wird, so besagt das, dass er um die überwältigende Größe und Heiligkeit Gottes und um seine eigene Armut vor ihm wusste und ihm in ehrfürchtiger Scheu diente, in einer Scheu aber, die ohne Angst, vielmehr voll Hoffnung und Vertrauen war: Er wartete auf die Rettung (den Trost) Israels.

Simeon hat Gott als den erfahren, der hilft und tröstet, der alle Tränen trocknet und das Leben derer, die ihm gehören, aus der Heillosigkeit in den Frieden lenkt. Nun wartet er auf die Vollendung dessen, was er anfanghaft schon erfahren durfte: auf das volle Heil, auf den Messias, welcher der Trost schlechthin ist, den Gott zu geben versprochen hat.

Simeon erwartet ihn nicht nur für sich selbst, sondern für das ganze Volk Israel. Die Wachheit des Herzens, welche ihm geschenkt ist, sein Hunger und Durst nach dem Heil. kommt von Gott her, der einem Menschen dergleichen nie nur für sich allein gibt. sondern immer zugleich auch für die anderen. Menschen wie Simeon haben die Aufgabe, stellvertretend für alle jene mit zu warten, die nicht mehr zu warten wissen, die sich verschlossen haben in ihre Sorgen und Traurigkeiten oder auch in ihre kleinen Freuden.

Simeon hat vom Heiligen Geist nicht nur die Sehnsucht nach dem Heil erhalten, sondern auch die Zuversicht, dass dieses Sehnen in Erfüllung gehen wird, die „Zusage, dass er den Tod nicht schauen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen hätte“.

Vom Geist getrieben kam er in den Tempel.“ Wer sich dem Geiste überlässt, wird von ihm dorthin geführt, wo er Jesus Christus begegnet.

Und die Eltern brachten das Kindlein Jesus herein.“ Ob der fromme Simeon den Messias wohl so erwartet hatte: als winziges hilfloses Kind von armen Eltern? Ohne den kleinsten Augenblick des Zögerns schließt er voll Liebe seinen Erlöser in die Arme. Er achtet nicht auf die unerwartete Gestalt, sondern erkennt in ihr den, auf den er gehofft hatte, und nimmt ihn in diesem Kindlein an. Er will nicht etwas, was er sich selbst erdacht hat, sondern er will wirklich ihn, so, wie er sich selbst schenken will.

Wer Jesus Christus sucht wie Simeon, der findet ihn, der darf ihn in seine Arme schließen und in den Lobpreis einstimmen, mit dem Simeon den langen Tag seines Lebens beschließt: Er dankt Gott, weil er ihm als sein Knecht dienen durfte und nun aus diesem Dienst entlassen wird in eine noch größere Freiheit, in den unsagbaren Frieden dessen, der alles aus den Händen legt, weil er Jesus Christus für immer umfangen darf.