Wie Jesus die Nächstenliebe versteht - Der barmherzige Samariter PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Pfarrer Schmitz   
Montag, 22. Juli 2019 um 19:18 Uhr

Wie Jesus die Nächstenliebe versteht
Der barmherzige Samariter


Sie war in seiner Botschaft das große Anliegen. Bei allen möglichen Anlässen hat er über das zwischenmenschliche Verhalten in klaren, eindringenden Weisungen und Motivationen gesprochen und das neue Gebot formuliert in dem er seine Liebe zum Maß und Orientierungspunkt der christlichen Nächstenliebe setzte.
In der Bergpredigt nach Lukas gab er die goldene Regel: „Wie ihr wollt, dass euch die anderen tun, so tut auch ihnen“(Lk6,31). Sie anzuwenden erfordert ein hohes Maß an Wahrhaftigkeit und sittlicher Kraft. Der Mensch erwartet vom anderen viel, alle gütige Nachsicht, die er aber selber zu schenken selten bereit ist. Sein Wohlverhalten bestimmen Sympathie und Eigennutz. Dazu hat Jesus erklärt, dass dies keineswegs dem göttlichen Gebot entspricht. „Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Dasselbe tun ja auch die Sünder, Wenn ihr nur denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen einander, um das Gleiche dafür wieder zu erhalten“      (Lk 6,32-34). Jesus will nicht eine Nächstenliebe, wie sie auch die Sünder üben, sondern eine, die der Gottesliebe und Gottesfreundschaft entspricht.
Auch im Gleichnis vom Samariter wollte Jesus aufzeigen, wie Nächstenliebe aussieht, wenn sie dem göttlichen Gebot entsprechen soll und nicht eigennützigen menschlichen Interessen und Absichten. Aus der Selbstliebe muss eine selbstlose Liebe werden. Franz von Sales nennt sie „Liebe des Wohlwollens“, weil sie zuerst und ausschließlich das Wohl des anderen will.
Jesus lobt die wohlwollende Nächstenliebe des Samariters. Er hat in der Erzählung wohl auch das gespannte, geradezu feindliche Verhältnis zwischen Juden und Samaritern mit gemeint. Der Evangelist Johannes stellt einmal knapp und vielsagend fest: „Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern“ (Joh 4,9). So ein Samariter findet zwischen Jerusalem und Jericho einen ausgeraubten halbtot geschlagenen Mann, wohl einen Juden. Er denkt nun nicht an sich, an seine Reisepläne, an irgendwelchen Nutzen, nicht an die Mühen, die für diesen Menschen in großer Not und Gefahr aufgewendet werden müssen. Er handelt. Er will das Wohl dessen, der sich selber nicht mehr helfen kann und ihm wohl für den Dienst nichts zu geben vermag. Er sorgt auch dafür, dass er Pflege erfährt und übernimmt dafür im Augenblick und für später die Kosten. „Was du darüber aufwendest, will ich dir bei meiner Rückkehr bezahlen“ (Lk 6,35). Nächste waren dem, der unter die Räuber gefallen war, alle drei, aber nur einer, ein Samariter, hat dem Gottesgebot der Nächstenliebe entsprochen, so dass Jesus sagen konnte „Geh hin und tue ebenso“.
Zur christlichen Nächstenliebe gehört die misericordia, das erbarmende Herz, das sich, ohne auf Vorurteil und Eigennutz zu schauen, dem im Elend zuwendet,  um ihn daraus zu befreien. Solche Liebe nimmt Maß an Jesus selber, wie er es im Neuen Gebot verlangt hat. So schreibt Paulus an seinen Schüler Titus: „Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Erlösers, erschien, hat er uns gerettet – nicht auf Grund von Werken der Gerechtigkeit, die wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit“ (Tit 3,4).

Zuletzt aktualisiert am Montag, 22. Juli 2019 um 19:22 Uhr